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Fatma Karacakurtoglu
Kommunalwahl 2020

Gemeinsamer Beschluss gegen Diskriminierung

"Brauchen wir diesen Antrag wirklich? Gibt es tatsächlich solche rassistischen Diskriminierungen?" Im Vorfeld wurde lange diskutiert, ob der Rat der Stadt Dortmund tatsächlich über einen Antrag zur "Ächtung des N*Wortes" abstimmen soll - gemeint sind Menschen mit dunkler Hautfarbe (People of Color). Doch im Rat wurde tatsächlich leidenschaftlich über diesen gemeinsamen Antrag von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE+, DIE PARTEI und FDP/Bürgerliste  diskutiert. Kein Thema sorgte in der Ratssitzung am 16. Dezember für mehr Emotionen und für mehr Redebeiträge. Und wie aktuell dieses Thema ist, konnte  am Wochenende in den bundesweiten Schlagzeilen nachgelesen werden. Denn auch Fußballspieler bleiben vor rassistischen Beleidungen nicht verschont. Das Drittliga-Fußballspiel des VfL Osnabrück gegen den MSV Duisburg wurde genau wegen einer solchen Schmährufe abgepfiffen. 

"Die Verwaltung möge prüfen, ob wir die Geschäftsordnung des Rates dahingehend erweitern sollten", empfahl Utz Kowalewski, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE+, im Rahmen der leidenschaftlichen Diskussion. 

Doch Bestandteil des Antrag war nicht nur die Ächtung des N*Wortes, sondern auch die Anregung, dass Dortmund sich um eine neue Partnerstadt im Süden Afrikas bemühen möge.

Fatma Karacakurtoglu (Fraktion Linke+) hatte dazu bereits im Integrationsrat ausgeführt,  dass in Dortmund sehr viele Menschen afrikanischer Herkunft leben. Aus ihrer Sicht sei es auch eine Form der Würdigung für die Menschen mit afrikanischer Herkunft, eine Städtepartnerschaft mit einer afrikanischen Stadt anzustreben. Städtepartnerschaften würden es auch der Stadtgesellschaft ermöglichen, sich mit Themen auseinander zu setzen und würden einen gegenseitigen Austausch fördern, wodurch Vorurteile abgebaut würden.

Zudem erklärte Fatma Karacakurtoglu, dass sie stolz auf den Antrag sei, so wie er vorläge, und dass es traurig genug sei, dass man sich in der heutigen Zeit mit den Themen auseinandersetzen müsse.

Zuerst tagte der Integrationsrat 

Im Integrationsrat haben die Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE+, DIE PARTEI und FDP/Bürgerliste gemeinsam einen Antrag auf den Weg gebracht, mit dem der Diskriminierung von Menschen mit dunkler Hautfarbe Einhalt geboten werden soll.

Ratsmitglied Dominik De Marco (SPD) begründete seine Initiative  zur Ächtung des N*Wortes: „Schwarze Menschen sind häufig Rassismus, Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt. Um die alten Klischees aufzubrechen haben wir beantragt, die Ziele der aktuellen UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft auch in Dortmund umzusetzen und insbesondere anzuerkennen, dass jegliche Verwendung des N*Wortes rassistisch ist.”

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen war Armel Dijne federführend beteiligt: „Die Unterdrückung afrikanischer Menschen in der Kolonialzeit zeigt heute noch ihre Spuren im Umgang miteinander und rassistische Vorfälle gehören leider auch in Dortmund zum Alltag."

So lautet der Antragstext:

"Der Integrationsrat und die Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN, DIE LINKE+, 
DIE PARTEI, FDP/Bürgerliste bitten den Rat der Stadt Dortmund, in Anerkennung der
aktuellen UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft, sowie der regelmäßigen
Diskussionen zu kolonialen Klischees und rassistischen Stereotypen in der Gesellschaft,
folgendes zu beschließen:
Der Rat
1. bittet die Verwaltung die Ziele der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft
in Dortmund umzusetzen und insbesondere anzuerkennen, dass jegliche Verwendung
des N*Wortes rassistisch ist,
2. setzt sich dafür ein, dass jegliche Verwendung des N*Wortes in der Stadt Dortmund
überwunden und geächtet wird, um Schwarzen Menschen und People of Color ein
friedvolles und diskriminierungsfreies Leben in Dortmund zu ermöglichen,
3. bittet die Verwaltung eine Weiterentwicklung der Dortmunder Städtepartnerschaften
zu prüfen, mit dem langfristigen Ziel eine Partnerschaft mit einer afrikanischen Stadt
südlich der Sahara einzugehen. Zur Weiterentwicklung der Städtepartnerschaften
sollen insbesondere Städte in jenen Staaten in Betracht gezogen werden, die (auch in
Teilen) vom Deutschen Reich okkupiert waren.

Begründung:

Das N*Wort wird von vielen schwarzen Menschen und People of Color mit Leid,
Diskriminierung, Gewalt, Ungleichheit und Entmenschlichung verbunden. Mit dem N*Wort
sind eine Vielzahl von rassistischen Stereotypen verbunden. Diese Stereotypen umfassen
Sexualrepression, wie Triebhaftigkeit und Naturhaftigkeit, Kulturlosigkeit, Viktimisierung,
Infantilisierung sowie Entfremdung (Othering) und führen zu Ohnmachtserfahrungen und
psychischen Folgen.
Als europäisches Konstrukt der Kolonialzeit, wurde es verwendet um eine rassistischen
Unterscheidung herzustellen, Machtverhältnisse zu untermauern und unterdrückende
Strukturen zu festigen.

Diese Erfahrungen sind auch weiterhin im Bewusstsein verankert. Seit 2015 haben die
Vereinten Nationen die Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft ausgerufen. Damit
erkennt die internationale Gemeinschaft an, dass Menschen afrikanischer Herkunft eine
eigenständige Gruppe darstellen, deren Menschenrechte gefördert und geschützt werden
müssen. Insbesondere Menschen, die außerhalb von Afrika leben, sollen in dieser Dekade in
den Vordergrund gestellt werden.

Ziele der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft sind:
- die Förderung der Achtung, des Schutzes und der Einhaltung aller Menschenrechte
und Grundfreiheiten,
- die Förderung einer besseren Kenntnis und Achtung des vielfältigen Erbes, der Kultur
und des Beitrags von Menschen afrikanischer Herkunft zu Entwicklung von
Gesellschaften
- der Schutz vor Rassismus und Diskriminierung.

Bis 2024 sollen alle Staaten sich diesen Zielen verschreiben.