DIE LINKE+ zur Nordspange: Mehr Straßen führen zu mehr motorisiertem Verkehr

PresseVerkehr, Bauen

2028 soll sie fertig werden. Oder 2029. Die lange geplante Nordspange. Sofern sie überhaupt jemals realisiert wird. Denn hinter der Realisierung dieser Umgehungsstraße, die unter anderem die Nordstadt entlasten soll, steht ein großes Fragezeichen. Das Land NRW will neue Straßen nicht mehr so reichlich bezuschussen wie in der Vergangenheit. Dortmund bangt nun um immerhin 90 Millionen Euro Landesförderung. 

„Um die Nordstadt von Verkehr zu entlasten, reicht es ohnehin nicht, eine Umgehungsstraße zu bauen. Denn mehr Straßen führen auch zu mehr Verkehren, wie inzwischen aus verschiedenen Verkehrsuntersuchungen bekannt ist“, sagt Sonja Lemke, Ratsmitglied für die Fraktion DIE LINKE+ und Mitglied in den zuständigen Ausschüssen für Stadtgestaltung, für Mobilität und der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord. 

Ähnlich wie die Grünen fordert die Fraktion DIE LINKE+ deshalb zumindest eine Reduzierung der bisherigen Pläne für die Nordspange. Eine „neue B1“ mit insgesamt vier Spuren sei doch gar nicht mehr zeitgemäß und passe nicht so recht zur vieldiskutierten Verkehrswende, sagt Sonja Lemke. 

Rückbau vorhandener Straßen

Zudem beantragt die Fraktion DIE LINKE+ – im Falle einer möglichen Realisierung der Nordspange – den Rückbau einiger bereits vorhandenen Autostraßen  - verbunden mit einem Rückbau der Parkplätze und der Forderung nach mehr Platz für den Fuß- und Radverkehr.

„Parallel zur Ausgestaltung der Nordspange müssen die Mallinckrodt- und die Borsigstraße auf eine Auto-Spur pro Fahrtrichtung reduziert werden. Der gewonnene Platz soll für den Rad- und Fußverkehr zur Verfügung gestellt werden“, sagt Sonja Lemke. „An der Mallinckrodtstraße passieren derzeit viele Unfälle mit Fußgänger*innen und Radfahrenden. Die Straße läuft durch ein sehr großes Wohngebiet, und die Anwohnenden sind erheblichem Lärm und Abgasen ausgesetzt.“

Noch weiter geht die Fraktion DIE LINKE+ bei der Springorumstraße. Diese Straße soll künftig Fußgängern und Radfahrenden vorbehalten bleiben. Wenn es nach der Fraktion DIE LINKE+ geht, soll die Straße, die bislang noch zum Betriebsgelände gehört, auf keinen Fall für den motorisierten Verkehr geöffnet  werden. Geplant ist aber das Gegenteil: Die Springorumstraße soll in Zukunft den ohnehin schon überlasteten Borsigplatz über die Oesterholzstraße an die Nordspange anbinden. „Das darf auf keinen Fall passieren“, sagt Sonja Lemke. „Das würde zu weiteren Verkehren durch die Wohngebiete führen. Etwa in der Oesterholzstraße. Im Moment ist dort die Situation wegen einer Sackgassen-Regelung ziemlich entspannt. Aber schon jetzt wird in Verkehrsgutachten davon ausgegangen, dass in dieser Straße, an der auch eine Grundschule liegt, der Verkehr nach einer Anbindung an die Nordspange deutlich zunehmen wird.“

Die Springorumstraße würde als direkter Anschluss der Nordspange regelrecht dazu einladen, den Verkehr in Richtung des Wohngebietes rund um den Borsigplatz oder zu den vielen Arbeitsplätzen im Logistikzentrum zu führen“, sagt Sonja Lemke. „Nicht zu vergessen die Stadtbahn. Auch diese soll künftig durch diesen Bereich fahren. Dann würde es für Fußgänger und Radfahrende sehr eng. Deshalb müsse man darauf achten, dass in der Springorumstraße nur umweltfreundliche Mobilitätsformen zum Tragen kommen und der motorisierte Verkehr außen vor bleibt. „Das kann man nur mit der von uns geforderten Umwidmung verhindern.“

Güterverkehr

Um den Lkw-Verkehr brauche man sich in dem Zusammenhang keine Sorgen zu machen, meint Sonja Lemke: „Die Logistikstandorte werden über andere Straßen an die Nordspange angeschlossen und können darüber abgewickelt werden.“

Zudem gebe es für den Güterverkehr zwischen Westfalenhütte und Hafen schon lange vernünftige Lösungen. 2020 hatten Hafenchef Büscher und Alt-Oberbürgermeister Sierau angekündigt, die Dortmunder Eisenbahn verstärken zu wollen und weniger auf Lkw-Verkehre zu setzen, um so auch die zu erwartenden Verkehre über die Nordspange zu reduzieren. „Das ist machbar“, meint Sonja Lemke, „denn an der Dortmunder Eisenbahn GmbH ist ja auch die Hafen AG als Tochter von DSW21 beteiligt, und die Infrastruktur ist überwiegend im Besitz der Hafen AG.“

Umweltfreundliche Mobilität statt Verkehrsbelastung

Sonja Lemke: „Zusammengefasst kann man sagen: Die stark verkehrsbelastete Nordstadt darf nicht weiterhin als Durchfahrtmöglichkeit gesehen werden. Stattdessen müssen wir in der Mallinckrodtstraße und der Borsigstraße endlich Raum für umweltfreundliche Mobilitätsformen schaffen. Heißt: Radweg und Gehweg statt motorisiertem Verkehr auf zum Teil mehreren Spuren. Vor allem der Radverkehr muss besser berücksichtigt werden. Gerade in den Logistikzentren reisen viele der Arbeitenden mit dem Rad an, da es das kostengünstigste Verkehrsmittel ist. Auch diese Menschen brauchen eine sichere und bequeme Zuwegung zu ihren Arbeitsplätzen.“

Aber noch ist ja die Diskussion um die Nordspange und ihre Auswirkungen nicht abgeschlossen. „Da wird es noch viele Gespräche geben“, ahnt Sonja Lemke und setzt auch auf den Kostenfaktor: „Eine geringere Dimensionierung für den Autoverkehr kann die jetzt deutlich steigenden Kosten erheblich reduzieren.“ 

„Eine Begründung, nämlich dass man schon seit den 1990-ern für diese mehrspurige Umgehungsstraße kämpfe, finde ich besonders unsinnig“, sagt Sonja Lemke. „Dieses Rückwärtsgewandte bringt uns doch nicht weiter. Die Zeiten und auch das Klima haben sich in den vergangenen 30 Jahren sehr verändert. Das muss man auch bei der Verkehrsplanung berücksichtigen.“ 

Doch noch lehnen CDU und SPD mögliche Veränderungen in der Planung der Nordspange trotz der enormen Kostensteigerungen kategorisch ab; und auch für die von der Fraktion DIE LINKE+ vorgeschlagenen Zukunftsmodelle für die Mallinckrodt-, Borsig- und Springorumstraße kann sich die Mehrheit der Verkehrspolitiker bisher nicht so recht begeistern.